Armenien – Alte Klöster, hohe Berge und ein ganz besonderer Lost Place
Nach 3 Tagen in Aserbaidschan ging es per Luftfracht nach Tiflis in Georgien. Von hier aus haben wir uns mit dem Mietwagen nach Armenien begeben und gleich am ersten Tag eine sehr lange Fahrt hinter uns gebracht – bis nach Jerewan, in die armenische Hauptstadt.
Nach Armenien zu kommen, ist gar nicht so leicht. Entweder, man fliegt dorthin oder reist eben wie wir über Georgien auf dem Landweg ein. Den Mietwagen über die Grenze zu bringen braucht einige Vorarbeit, denn mit der reinen Anmietung ist es nicht getan – man muss seinen Vermieter schon weit vor Ankunft informieren, dass man die Grenze überqueren möchte. Für den Grenzübertritt müssen die Vermieter einiges an Papierkram ausfüllen und brauchen dafür notarielle Beglaubigungen – Last Minute wird es also eher schwierig.
Wir hatten uns rechtzeitig gekümmert und unsere Unterlagen warteten bereits auf uns – allerdings im falschen Büro. Ehe der Kollege des freundlichen Mitarbeiters am Mietwagenschalter am Flughafen war, verging eine halbe Stunde und warf somit unseren Plan etwas nach hinten. Was solls – wir sparten uns die Fahrt in die Innenstadt von Tiflis und konnten direkt in Richtung armenische Grenze aufbrechen, die wir zügig erreichten.
An der Grenze von Georgien nach Armenien gab es dann ein etwas längeres Prozedere – auf georgischer Seite ging es mit ca. 30 Minuten voller Dokumentenchecks noch verhältnismäßig schnell, doch kaum überquerten wir die Brücke nach Armenien, ging es erst richtig los. Fahrer und Beifahrer wurden wie schon auf georgischer Seite getrennt und dann folgte eine Befragung – wohin, wie lang, warum und vor allem: „Warum um alles in der Welt waren Sie in Aserbaidschan?“
Wie schon im Beitrag über Aserbaidschan erklärt, gibt es immer noch einen Konflikt zwischen den benachbarten Staaten und dementsprechend kritisch sehen es die Grenzbeamten, wenn man den jeweils anderen Stempel im Pass hat. Man könnte ja ein Spion sein oder unerwünschte Waren ins Land bringen. Als Tourist hat man jedoch relativ leichtes Spiel, wenn man eine Hotelbuchung und ein Rückflugticket vorweisen kann – oder in unserem Fall Folgebuchungen in Georgien. Nach ca. 1 Stunde hörten wir vom Grenzbeamten endlich „Welcome to Armenia“ und durften unsere Fahrt fortsetzen – allerdings nicht lange, denn für den Mietwagen mussten wir an einem der zahlreichen Versicherungsstände kurz nach der Grenze noch eine Zusatzversicherung für Armenien abschließen. Mit ca. 20€ weniger im Gepäck reiste es sich dann ganz leicht weiter hinein nach Armenien – immer am Fluss Debed entlang in Richtung Hauptstadt Jerewan.
Unterwegs gab es schon ein paar Caches zu finden und einige alte Gebäude zu bestaunen – so z.B. das Kloster Akhtala. Im weiteren Verlauf der fahrt machten wir einen Stopp am Sewansee. Der größte See Armeniens und des gesamten Kaukasus ist nicht nur bei Fischern beliebt, sonder natürlich auch bei Touristen. Wir haben uns hier das Kloster Sevanavank angesehen und nicht nur hier den Tradi geloggt, sondern auch ein paar Kilometer weiter an einer alten sowjetischen Aussichtsplattform. In der Dunkelheit erreichten wir später Jerewan und wurden nach leckerem Abendessen von unseren Gastgebern am Rande der Stadt herzlichst aufgenommen.






Die nächsten 3 Nächte verbrachten wir hier in der armenischen Hauptstadt und haben einige tolle Ausflüge unternommen. Der erste Ausflug führte uns – wie so oft – auf historische Pfade. Östlich von Jerewan befinden sich sowohl die ältesten Caches des Landes, als auch tolle, alte Klöster und Tempel. Nachdem wir den ältesten Cache in der Tasche hatten, ging es zum Tempel von Garni und zum Kloster Geghard – beides sehr lohnenswerte Ausflugsziele, an denen man auch interessante Hintergründe erfährt. Natürlich gibt es an beiden Orten auch einen Cache.








Doch nach diesen Zielen hatten wir noch nicht genug – ein weiteres Kloster hatten wir für heute noch geplant – das Kloster Chor Virap. Nachdem wir bereits am Morgen einen tollen Blick auf den Ararat (höchster Berg der Türkei, 5137m) hatten, wurde dieser mit jedem Kilometer in Richtung Chor Virap besser und der Berg immer beeindruckender. Am Kloster angekommen, war es nur noch 1 Kilometer Luftlinie bis zur Türkei und nur noch 11 km bis in den Iran, den wir auch von hier sehen konnten. Beide Länderpunkte waren aber kein Ziel auf dieser Reise – dennoch machte die Grenznähe hier Lust auf Abenteuer. Der Blick zum Ararat und in die iranischen Berge war jedenfalls atemberaubend und einfach nur schön – gerade mit dem Kloster als Kulisse.




Am nächsten Tag konnten wir das Auto stehenlassen, denn es galt, die armenische Hauptstadt zu erkunden. Den Ararat immer im Blick ging es von der „Mutter Georgiens“ über die „Kaskade von Jerewan“ zum „Zizernakaberd“ – einem Denkmal zur Erinnerung an das Genozid an tausenden Armeniern im Jahr 1915.
Auf dem Weg dorthin geht es durch einen Park, in welchem wir gleich 3 Panzerschleichen entdeckt haben – schlangenähnliche Echsen. Nicht gerade die schönsten Tiere, aber erstmal etwas furchteinflößend, wenn man nicht weiß, um was es sich handelt. Letztendlich vollkommen ungefährliche Tiere. Im weiteren Verlauf der Reise haben wir noch einige Exemplare gesehen – sie waren uns am Ende lieber als die einheimischen Giftschlange, die es vor allem im Kaukasus auch gibt.
Den Abend dieses heißen Tages ließen wir mit einem Event im Irish Pub ausklingen und schlenderten zum Abschluss noch durch die belebte Innenstadt, ehe uns ein Taxi wieder in die Unterkunft brachte.








Jerewan selbst ist nicht die schönste Stadt, dennoch war vor allem das Umland recht interessant. Am nächsten Tag verließen wir Jerewan wieder in Richtung Nordwesten und haben ein besonders für Cacher und LP-Freunde sehr interessantes Ziel angesteuert: Das Radio-Optische Observatorium ROT-54.
Für ca. 10 Euro, die man am Zufahrtstor beim LP-Aufpasser bezahlt – und natürlich dafür keine Quittung bekommt – kann man das Gelände des ehemaligen Observatoriums befahren und so lange man möchte besichtigen. Wir haben hier ca. 2 Stunden verbracht, dabei den Tradi geloggt und beim Besichtigen der Gebäude zahlreiche Fotos geschossen. Für uns war dieses Gelände das Highlight unserer Rundfahrt durch Armenien und wir können den Besuch absolut empfehlen. Neben dem Observatorium mit 54 Metern Durchmesser kann man einige Verwaltungsgebäude und einen nie fertiggestellten Solarkollektor besichtigen. Eine Anlage in dieser Größe findet man weltweit nicht allzu häufig und schon gar nicht in so gut erhaltenem Zustand.






Nach diesem tollen Stopp ging es weiter nach Gjumri, unserem letzten Halt in Armenien. Dort konnten wir noch einen Cache loggen, unseren süßen Zahn mit einem Gebäck namens „Donut“ (nicht das, was man bei uns kennt) stillen und endlich eine neue Sonnenbrille kaufen, nachdem die alte Sonnenbrille in Jerewan in ihre Einzelteile zerbrochen ist.


Anschließend verabschiedeten wir uns von diesem tollen Land, ehe wir die Grenze nach Georgien passierten und unsere Reise dort fortsetzten.
